„Mittelalterkochbücher“ – Rezensions-Duell Nr. 2

Für alle, die keine Lust haben, den ganzen Artikel zu lesen:
Kauft ‚Das Kochbuch des Mittelalters‘ von Trude Ehlert!
Lasst die Finger von ‚Das Buch von guter Speise – Mittelalterlich kochen‘ von Jacob Blume!

Es gibt da draußen eine Menge Kochbücher mit mittelalterlichen Rezeptumsetzungen.
Für viele Einsteiger sind solche Bücher der erste Berührungspunkt mit dem Thema überhaupt. Daher ist es auch so wichtig, gleich ein wirklich gutes Buch zur Hand zu  nehmen. „„Mittelalterkochbücher“ – Rezensions-Duell Nr. 2“ weiterlesen

„Mittelalterkochbücher“ – Rezensions-Duell Nr. 1

Für alle Einsteiger in die mittelalterliche Küche, die keine Lust haben, den ganzen Artikel zu lesen:
Kauft ‚Das Mittelalter-Kochbuch‘ von Hannele Klemettilä!
Lasst die Finger von ‚Wie man eyn teutsches Mannsbild bey Kräfften hält‘ von Jürgen Fahrenkamp!


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Vegan und vegetarisch im Mittelalter?

Immer wieder taucht in den sozialen Medien die Frage nach vegetarischen und veganen Gerichten für die Mittelalterdarstellung auf. Und üblicherweise gibt es dann immer jemanden, der im Brustton der Überzeugung verkündet, dass man da „im Mittelalter verhungert wäre“.
Das ist natürlich kompletter Blödsinn.  Schon die vielen Fastenzeiten geben ein gewisses Maß an fleischlosen Rezepten vor.
Ich möchte daher einige Kochbücher auf diesen Aspekt hin auseinander nehmen und euch ein paar hieb- und stichfeste Argumente für oben genannte Diskussionen in die Hand geben.

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Rezension – Peter Lutz – Drei Kochbücher für Mittelalter-Anfänger

‚Warum taucht Peter Lutz in deiner Kochbuchliste nicht auf?‘
Eine gute Frage, denn Peter Lutz‘ Bücher werden in der Mittelalterszene gerne empfohlen, wenn man sich fürs Kochen interessiert.
Auch ich kenne alle drei Bücher schon eine ganze Weile. Aber ich wollte mir die Zeit nehmen sie gründlich zu lesen und zu rezensieren.

Zunächst einmal: Peter Lutz ist ganz sicher ein Pionier was die Umsetzung mittelalterlicher Rezepte angeht – nicht, weil es da nicht vorher schon Bücher gegeben hätte (‚Das Kochbuch des Mittelalters‘ von Trude Ehlert ist deutlich älter) sondern weil er das Ganze von der Seite des Darstellers angegangen ist.
Er hat also einen nicht-wissenschaftlichen Zugang zu dem Thema verfolgt und DAS ist wichtig, auch in der kommenden Rezension aller drei Werke.

Ich möchte noch betonen, dass ich beim Rezensieren besonders viel Wert auf die Nutzbarkeit für Anfänger gelegt habe. Gerade weil die streng wissenschaftlichen Werke oft etwas abschreckend wirken können. Für mich persönlich ist es wichtig zu wissen, was ich mit gutem Gewissen weiter empfehlen kann.

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Nachweisbare Speisen und Lebensmittel im Hochmittelalter

Liebe Leser,

heute präsentiere ich euch etwas, das nicht aus meiner Feder stammt.

Mein lieber Freund und geschätzter Darstellerkollege Jochen Grasser vom Verein „Die Reisecen e. v. 1220 – 1250“ hat sich die riesige Arbeit angetan, die Informationen zu nachweisbaren Speisen und Lebensmitteln aus Anne Schulz‘ „Essen und Trinken im Mittelalter 1100 – 1300“ in einer übersichtlichen Tabelle zusammen zu fassen.

Anne Schulz‘ Werk ist DER Standard zum Thema für das Hochmittelalter und wer meinen Blog liest, der weiß, dass ich mich immer wieder auf sie beziehe.
Die konkreten Informationen zur Nachweisbarkeit zu sammeln und sie in einer bequem zugänglichen Tabelle zusammen zu fassen hatte ich mir eigentlich auch schon einmal vorgenommen – und bin vor dem Umfang  immer etwas zurück geschreckt. Daher bin ich Jochen umso dankbarer, dass er sich dieser Aufgabe angenommen hat.

Ich rate trotzdem jedem, das Buch von Anne Schulz als Ganzes zu lesen, denn der Kontext ist in vielen Fällen wichtig.

Jetzt aber endlich der Link, um den sich hier eigentlich alles dreht:

*Trommelwirbel*

Was wissen wir denn über das Essen? Was ist tatsächlich nachweisbar?

Mittelalterliches von Tupperware – Wer hätte das gedacht?

Tupperware verbindet man mit allen möglichen kulinarischen und küchentechnischen Details. Aber ganz sicher nicht mit dem Mittelalter.

Tatsächlich hat aber Tupperware in den 80er und 90er Jahren eine Reihe von wunderschönen Faksimilie-Ausgaben mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Kochbücher herausgegeben.
Die Ausgaben wurden  nur einmal aufgelegt und sind nur noch antiquarisch erhältlich.

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Versuch einer Kücheninventur – Kochutensilien im 12. Jahrhundert

(Beitragsbild: Le sentenze, Pietro Lombardo, Civica Biblioteca Guarneriana, MS 42, Ende 12. Jhd, Pag. 303)

Tatsache ist: über die Küchenausstattung im 12. Jahrhundert wissen wir nicht viel. Wie bei vielen anderen Alltagsthemen ist auch dieses nur als Stückwerk und in Einzelhinweisen fassbar.
Meistens behelfen wir Darsteller uns, in dem wir – ähnlich wie bei den Rezepten – den Zeitrahmen gröber stecken und die gesamte Zeit vom 10./11. Jhd. bis einschließlich des 13. mit einbeziehen, soweit es sinnvoll erscheint.
Aber in diesem Artikel möchte ich mich ganz bewusst auf das 12. beschränken und einfach einmal Bilanz ziehen.

Wo ich mich zeitlich eingeschränkt habe, war ich örtlich eher großzügig – meine Quellen reichen von Norditalien, über Mittel-, bis Westeuopa, einschließlich England und Nordspanien. Ferngehalten habe ich mich vom maurisch beeinflussten Spanien, von Süditalien und Sizilien, von Osteuropa und von Skandinavien.

Außerdem möchte ich wirklich nur über Küchenutensilien sprechen – also jene Werkzeuge, die man zur Speisenzubereitung benötigt.
Das heißt, ich werde das Thema Tafelgeschirr/Besteck großenteils außen vor lassen (abgesehen von einem kurzen Ausflug ganz unten im Artikel).

Was ich zusammengetragen habe, hat natürlich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und ich würde mich über jede Rückmeldung freuen, die mich auf Objekte hinweist, die ich übersehen habe.
Ich werde diesen Artikel laufend erweitern und ergänzen.

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Entspanntes Mittelalter-Kochen 2 – diesmal in Linz

Wie schon im vergangen Jahr haben Jochen von den Reisecen, Sonja von der IG14 und ich uns auch heuer zu einem mittelalterlichen Experimentier-Kochwochenende verabredet.
(Die Experimente des letzten Jahres könnt ihr hier nachlesen.)
Hier kurz noch einmal die Erklärung für dieses kleine Event:

„Mittelalterliches Kochen, aber nicht – wie sonst für uns alle üblich – auf einer Veranstaltung.
Dort kochen wir für mehrere Leute (alles zwischen 10 und 100), wir kaufen eine Menge Lebensmittel ein, kochen auf offenem Feuer, erklären den Besuchern, was wir da machen und müssen am Ende des Tages (und oft genug auch in der Früh und Mittags) die hungrige Darsteller-Meute satt bekommen.
Jetzt soll mich bitte niemand falsch verstehen – das alles macht großen Spaß! Aber es lässt auch wenig Raum für Experimente und noch weniger für Misserfolge.
Diesen Druck wollten wir bei unserem Treffen heraus nehmen. Sich privat treffen, eine moderne Küche, die gesamte Literatur zur Hand, viel Zeit um sich auszutauschen, herum zu probieren und – ganz wichtig – auch mit der Option, etwas in den Sand setzen zu dürfen.“

Leider musste Jochen in diesem Jahr kurzfristig absagen, also sind von der Kerntruppe nur Sonja und ich übrig geblieben. Allerdings hatten wir dieses Mal auch zwei Gastköche: meinen Neffen Alexander und Ylva Schwinghammer von der Uni Graz
(Mehr über Ylvas Buch „Speisen auf Reisen“ findet ihr in diesem und in diesem Artikel – bitte jeweils ein Stück hinunter scrollen. Sehr erwähnenswert ist auch Ylvas Blog zum Forschungsprojekt „Nahrhaftes Mittelalter“ .)

Was haben wir also gemacht?

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Das Geheimnis der Stärke

Begonnen hat alles mit dem Mandeln melken und mit meiner Frage nach dem Grund, warum Mandelmilch sich zu einem Pudding kochen lässt. In dem Artikel habe ich darüber spekuliert, ob die Menge von Stärke in Mandeln reicht um das Eindicken zu erklären, konnte aber nirgends weitere Infos darüber finden.
Und dann ist im vergangenen September „Speisen auf Reisen“ von Ylva Schwinghammer erschienen. (Mehr zum Buch hier und an dieser Stelle ein Danke an Ylva und ihre Co-Autoren von der Universität Graz und ein Hinweis auf ihr großartiges Blog Nahrhaftes Mittelalter!)
Jedenfalls in „Speisen auf Reisen“ … traraa … ein Rezept für „Mandelstärke“!
‚Ha!‘ habe ich gedacht ‚Erstens: es gibt die Mandelstärke und zweitens: man wusste davon und hat sie extrahiert.‘

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