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Mittelalterliche Kochbücher, Rezeptumsetzungen und Literatur dazu

Immer wieder taucht die Frage nach Literatur zum Kochen auf. Daher haben Sonja Hofbauer von der IG 14. Jahrhundert und ich uns zusammen getan um eine sinnvolle Liste zusammen zu stellen.
Die Liste erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, listet aber jene Werke, die uns sinnvoll und nützlich erscheinen, wenn man sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchte. Außerdem wird die Liste laufend erweitert.

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Küchenmeisterey 2020 – Ein schönes Projekt für ein seltsames Jahr

Normalerweise handelt es sich bei der Küchenmeisterey um eine Museumsveranstaltung, bei der namhafte Köchinnen und Köche aus der Szene den Besuchern verschiedene Aspekte der mittelalterlichen Küche nahebringen.

In diesem Jahr musste das Projekt, wie so viele andere, abgesagt werden. Aber die Organisatoren – allen voran die wunderbare Leah-Morgana Stadler – haben sich dadurch nicht entmutigen lassen.
Wenn man sich nicht real treffen und sein Wissen präsentieren kann, tut man das eben virtuell.
Dadurch entstand ein gemeinsamer Online-Auftritt bei dem jede/r TeilnehmerIn die Möglichkeit hatte, Rezepte und zugehörige Details für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Die gesamte, virtuelle Küchenmeisterey findet ihr hier.
Ich kann nur von ganzem Herzen empfehlen, alle Beiträge zu lesen – es ist eine wahre Schatztruhe an interessanten Informationen.

Hier ist mein Beitrag dazu:

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Es geht um Sex.

Jaaaa, jetzt hab ich eure Aufmerksamkeit, nicht wahr?

Aber nein, der Titel ist nicht nur Clickbait. Heute und hier geht es tatsächlich um Sex, nämlich um die Challenge „#pluckingroses“ meiner Freundin Agnes von der IG 14. Jahrhundert.

Die gesamte Challenge könnt ihr hier nachlesen, aber um Agnes zu zitieren:
„Ich möchte von euch für die Vermittlungsarbeit brauchbare Rekonstruktionen sehen, die sich rund um das Thema Sexualiät in der Geschichte drehen.“

Natürlich dreht es sich bei mir dabei um Küche und Ernährung.
Mittelalterliche Kulinarik enthält immer auch eine medizinische Komponente, weil alle Zutaten medizinische Eigenschaften haben, die sich an Galens 4-Säfte-Lehre festmachen lassen.

Für diese Challenge lag es also nahe in meinem Fundus nach Aphrodisiaka zu suchen. Entschieden habe ich mich schließlich für das Baghdad des 10. Jahrhunderts und Ibn Sayyar al-Warraq’s „Kitab al-Tabikh“.

Ein kurzes Rezept mit langer Wirkung:

„watercress: […] The leaves and the seeds are also touted as being highly aphrodisiac. Its ground seeds, for instance, are sprinkled on soft-cooked egg instead of salt for a sure and tried sexual stimulus. Rumor has it that it once caused a 30-day long erection, and the man who had it became the pride of his tribe.“

Und was soll jetzt der Koriander daneben?
Tja, das ist das Gegenmittel.

„coriander […] seeds: […] Soaked in water and sugar, they are used to help dry out semen and relieve intense erection.“

Denn wie ich die Leute da draußen kenne, probiert das garantiert jemand aus und ich will nicht für … Schäden an den Weichteilen verantwortlich sein. 😉

(Die weichgekochten Eier mit den Kressesamen schmecken übrigens auch ganz hervorragend … )


Nasrallah, Nawal (Ed. Transl.) „Annals of the Caliphs‘ Kitchens – Ibn Sayyar al-Warraq’s Tenth-Century Baghdadi Cookbook“ Islamic History and Civilization, Volume 70, Koninklijke Brill NV, Leiden, 2007

„Mittelalterkochbücher“ – Rezensions-Duell Nr. 2

Für alle, die keine Lust haben, den ganzen Artikel zu lesen:
Kauft ‚Das Kochbuch des Mittelalters‘ von Trude Ehlert!
Lasst die Finger von ‚Das Buch von guter Speise – Mittelalterlich kochen‘ von Jacob Blume!

Es gibt da draußen eine Menge Kochbücher mit mittelalterlichen Rezeptumsetzungen.
Für viele Einsteiger sind solche Bücher der erste Berührungspunkt mit dem Thema überhaupt. Daher ist es auch so wichtig, gleich ein wirklich gutes Buch zur Hand zu  nehmen. „„Mittelalterkochbücher“ – Rezensions-Duell Nr. 2“ weiterlesen

„Mittelalterkochbücher“ – Rezensions-Duell Nr. 1

Für alle Einsteiger in die mittelalterliche Küche, die keine Lust haben, den ganzen Artikel zu lesen:
Kauft ‚Das Mittelalter-Kochbuch‘ von Hannele Klemettilä!
Lasst die Finger von ‚Wie man eyn teutsches Mannsbild bey Kräfften hält‘ von Jürgen Fahrenkamp!


„„Mittelalterkochbücher“ – Rezensions-Duell Nr. 1“ weiterlesen

Vegan und vegetarisch im Mittelalter?

Immer wieder taucht in den sozialen Medien die Frage nach vegetarischen und veganen Gerichten für die Mittelalterdarstellung auf. Und üblicherweise gibt es dann immer jemanden, der im Brustton der Überzeugung verkündet, dass man da „im Mittelalter verhungert wäre“.
Das ist natürlich kompletter Blödsinn.  Schon die vielen Fastenzeiten geben ein gewisses Maß an fleischlosen Rezepten vor.
Ich möchte daher einige Kochbücher auf diesen Aspekt hin auseinander nehmen und euch ein paar hieb- und stichfeste Argumente für oben genannte Diskussionen in die Hand geben.

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Rezension – Peter Lutz – Drei Kochbücher für Mittelalter-Anfänger

‚Warum taucht Peter Lutz in deiner Kochbuchliste nicht auf?‘
Eine gute Frage, denn Peter Lutz‘ Bücher werden in der Mittelalterszene gerne empfohlen, wenn man sich fürs Kochen interessiert.
Auch ich kenne alle drei Bücher schon eine ganze Weile. Aber ich wollte mir die Zeit nehmen sie gründlich zu lesen und zu rezensieren.

Zunächst einmal: Peter Lutz ist ganz sicher ein Pionier was die Umsetzung mittelalterlicher Rezepte angeht – nicht, weil es da nicht vorher schon Bücher gegeben hätte (‚Das Kochbuch des Mittelalters‘ von Trude Ehlert ist deutlich älter) sondern weil er das Ganze von der Seite des Darstellers angegangen ist.
Er hat also einen nicht-wissenschaftlichen Zugang zu dem Thema verfolgt und DAS ist wichtig, auch in der kommenden Rezension aller drei Werke.

Ich möchte noch betonen, dass ich beim Rezensieren besonders viel Wert auf die Nutzbarkeit für Anfänger gelegt habe. Gerade weil die streng wissenschaftlichen Werke oft etwas abschreckend wirken können. Für mich persönlich ist es wichtig zu wissen, was ich mit gutem Gewissen weiter empfehlen kann.

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Nachweisbare Speisen und Lebensmittel im Hochmittelalter

Liebe Leser,

heute präsentiere ich euch etwas, das nicht aus meiner Feder stammt.

Mein lieber Freund und geschätzter Darstellerkollege Jochen Grasser vom Verein „Die Reisecen e. v. 1220 – 1250“ hat sich die riesige Arbeit angetan, die Informationen zu nachweisbaren Speisen und Lebensmitteln aus Anne Schulz‘ „Essen und Trinken im Mittelalter 1100 – 1300“ in einer übersichtlichen Tabelle zusammen zu fassen.

Anne Schulz‘ Werk ist DER Standard zum Thema für das Hochmittelalter und wer meinen Blog liest, der weiß, dass ich mich immer wieder auf sie beziehe.
Die konkreten Informationen zur Nachweisbarkeit zu sammeln und sie in einer bequem zugänglichen Tabelle zusammen zu fassen hatte ich mir eigentlich auch schon einmal vorgenommen – und bin vor dem Umfang  immer etwas zurück geschreckt. Daher bin ich Jochen umso dankbarer, dass er sich dieser Aufgabe angenommen hat.

Ich rate trotzdem jedem, das Buch von Anne Schulz als Ganzes zu lesen, denn der Kontext ist in vielen Fällen wichtig.

Jetzt aber endlich der Link, um den sich hier eigentlich alles dreht:

*Trommelwirbel*

Was wissen wir denn über das Essen? Was ist tatsächlich nachweisbar?

Mittelalterliches von Tupperware – Wer hätte das gedacht?

Tupperware verbindet man mit allen möglichen kulinarischen und küchentechnischen Details. Aber ganz sicher nicht mit dem Mittelalter.

Tatsächlich hat aber Tupperware in den 80er und 90er Jahren eine Reihe von wunderschönen Faksimilie-Ausgaben mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Kochbücher herausgegeben.
Die Ausgaben wurden  nur einmal aufgelegt und sind nur noch antiquarisch erhältlich.

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Versuch einer Kücheninventur – Kochutensilien im 12. Jahrhundert

(Beitragsbild: Le sentenze, Pietro Lombardo, Civica Biblioteca Guarneriana, MS 42, Ende 12. Jhd, Pag. 303)

Tatsache ist: über die Küchenausstattung im 12. Jahrhundert wissen wir nicht viel. Wie bei vielen anderen Alltagsthemen ist auch dieses nur als Stückwerk und in Einzelhinweisen fassbar.
Meistens behelfen wir Darsteller uns, in dem wir – ähnlich wie bei den Rezepten – den Zeitrahmen gröber stecken und die gesamte Zeit vom 10./11. Jhd. bis einschließlich des 13. mit einbeziehen, soweit es sinnvoll erscheint.
Aber in diesem Artikel möchte ich mich ganz bewusst auf das 12. beschränken und einfach einmal Bilanz ziehen.

Wo ich mich zeitlich eingeschränkt habe, war ich örtlich eher großzügig – meine Quellen reichen von Norditalien, über Mittel-, bis Westeuopa, einschließlich England und Nordspanien. Ferngehalten habe ich mich vom maurisch beeinflussten Spanien, von Süditalien und Sizilien, von Osteuropa und von Skandinavien.

Außerdem möchte ich wirklich nur über Küchenutensilien sprechen – also jene Werkzeuge, die man zur Speisenzubereitung benötigt.
Das heißt, ich werde das Thema Tafelgeschirr/Besteck großenteils außen vor lassen (abgesehen von einem kurzen Ausflug ganz unten im Artikel).

Was ich zusammengetragen habe, hat natürlich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und ich würde mich über jede Rückmeldung freuen, die mich auf Objekte hinweist, die ich übersehen habe.
Ich werde diesen Artikel laufend erweitern und ergänzen.

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