Rezension: Constance B. Hieatt „The Culinary Recipes of Medieval England“

Hieatt, Constance B „The Culinary Recipes of Medieval England“, Prospect Books, Totnes, 2013

Constance B. Hieatt war Professorin für Englische Literatur an der Universität von Ontario, und hat sich intensiv mit dem englischen, mittelalterlichen Textkorpus zum Thema Kulinarik beschäftigt. Man könnte sie mit Trude Ehlert vergleichen, die ganz Ähnliches für den deutschen Bestand an mittelalterlicher Kochliteratur geleistet hat.

In dem vorliegenden Band hat Hieatt etwas sehr Interessantes gemacht, was ich in dieser Form noch in keiner meiner vielen Ausgaben zu mittelalterlichen, kulinarischen Texten gesehen habe: Sie hat in einer Ausgabe alle Rezepte aus der englischen Kochliteratur zusammen gefasst.

ABER, und das ist der Punkt, sie hat nicht einfach sämtliche Rezepte in einen Band gepackt – das wäre auch recht viel geworden. Statt dessen ist sie von der Tatsache ausgegangen, dass es in dem gesamten Textkorpus sehr viele Wiederholungen gibt. Ein Beispiel dafür wäre Blancmange, von dem es auch im deutschen Textkorpus eine Menge Varianten gibt. Hieatt hat also versucht zu jedem Rezept die ursprünglichste, bzw. einfachste Form – also das Grundrezept – zu finden und hat diese gesammelt.
Manchmal ist sie auch nicht von der einfachsten Variante sondern von der am besten erklärten ausgegangen, zum Beispiel, wenn doch einmal irgendwo Mengen- oder Verhältnisangaben zu finden waren.

Die Rezepte wurden nach Arten der Speise bzw. nach Zutaten sortiert. So ließt sich das zweite Kapitel im Inhaltsverzeichnis wie folgt:

Chapter Two
Meatless Pottages
– Based on almond milk
– Based on nuts and flowers
– Based on eggs
– Other meatless pottages

Jedes Rezept ist mit einem Kürzel für das Buch versehen, aus dem es stammt. Im Anhang finde sich dann die entsprechende Bibliographie dazu.
Der Anhang umfasst außerdem ein Stichwortverzeichnis.

Ich hätte mir zusätzlich zum Hinweis auf den Originaltext auch noch eine Datierung gewünscht.
Da Hieatt keine Sekundärliteratur zitiert, fehlt auch eine entsprechende Literaturliste – hier  wäre wenigstens eine kurze Liste von empfohlener Literatur schön gewesen.

Abgesehen von diesen Schönheitsfehlern ist das Buch aber sehr empfehlenswert.
Ich finde alleine schon die Idee, die in vielen Variationen vorkommenden Rezepte auf die einfachste, vorliegende Form zu beschränken genial. Das Buch schafft so einen effektiv gepackten Überblick über die englische Kulinarik. Ich wünsche mir sowas bitte auch für die deutschen, italienischen und französischen Kochbücher!

 

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